Thrillerautorin
 

Über Lian ...

Was soll ich sagen? Über mich zu schreiben, ist nicht so mein Ding. Aber vielleicht ist das typisch für Autoren. Wir beobachten lieber andere, als selbst im Mittelpunkt zu stehen. Zumindest bilde ich mir das ein. Ich mag es nämlich gar nicht, im Mittelpunkt zu stehen.

In meinem anderen Leben verdiene ich das Geld, das ich anschließend in Schreibkurse, Bücher übers Schreiben und diese Homepage stecke. Kreativ bin ich dort allerdings so gar nicht unterwegs. Obwohl? Immerhin verantworte ich Jahres- und Konzernabschlüsse. Auf zahlreiche Veröffentlichungen kann ich also bereits zurückblicken. Nur eben nicht auf die, von denen ich träume.

Nach meinem Studium landete ich zunächst in der Insolvenzbranche. Dort entdeckte ich mein Interesse an der forensischen Buchprüfung, also Zahlen auf ihre Geheimnisse abzuklopfen. Einen spektakulären Kriminalfall habe ich dabei leider nie aufgedeckt. Danach war ich viele Jahre in der Wirtschaftsprüfung tätig und habe mich mit den Jahresabschlüssen meiner Mandanten beschäftigt.

Ich liebe Geschichten, seit ich denken kann. Könnte ich gut zeichnen, würde ich vermutlich Comics machen statt Romane zu schreiben. Leider bin ich kein Uderzo. Also muss ich meine Geschichten ohne Bilder erzählen. Nur mit Worten. Und nein, Barks bin ich auch nicht!

Meine Grundschullehrerin hat mich damals gerügt. Ich hätte zu viel Phantasie, sagte sie.

Wie zum Teufel kann man bitte zu viel Phantasie haben?

Zum Glück habe ich mir meine Phantasie bewahrt. Ihr verdankt die Tierwelt immerhin den sagenumwobenen Poolbarracuda, den ich im Urlaub entdeckt habe. Ebenso habe ich aus der Wiese um die Ecke das Schlangenbachlauftal gemacht.

Vielleicht hatte meine Lehrerin doch recht.

Wenn ich weder schreibe noch Zahlen zusammenstelle, drehe ich am liebsten mit meiner Hündin Charlie große Runden. Ich finde ja, in der Bewegung ist die Stille. 

Manchmal muss ich allerdings auch gerettet werden. Zum Beispiel, wenn ich mich unterwegs verquatscht und dabei die Orientierung verloren habe. 

Wenn sich beim Entdecken neuer Welten zu viel Adrenalin aufgestaut hat, gehe ich laufen. Am liebsten draußen, wo ich den Kopf wieder frei bekomme. Nebenbei lösen sich dabei erstaunlich viele Probleme. Besonders dann, wenn meine Figuren mal wieder beschlossen haben, ihre Launen an mir auszulassen.

Ich liebe Abenteuer, fremde Welten und Geschichten, die mich nicht mehr loslassen. Indiana Jones und Jules Verne gehören für mich genauso dazu wie The Walking Dead, Jurassic Park oder die Thriller von Douglas Preston und Lincoln Child. Dazu gesellen sich Andreas Eschbach, Frank Schätzing und natürlich Michael Crichton und das Marvel-Universum. Aber auch für die leisen Geschichten habe ich etwas übrig. Allen voran für den Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry.

Und dann wäre da noch das Meer. Vor allem Wale und Haie faszinieren mich. In meinem nächsten Leben werde ich deshalb Meeresforscher. Beschlossene Sache.

Aber es müssen nicht immer große Geschichten sein. Manchmal reichen wenige Worte. Wie viel Kraft in wenigen Worten stecken kann, zeigt für mich Clara Lösels Gedicht „Schere, Stein, Papier, Gesellschaft".

Chaotisch bin ich übrigens auch. Meistens laufe ich meinem eigenen Durcheinander hinterher und versuche, irgendwie Ordnung hineinzubringen. Mal besser. Mal schlechter. Eben hatte ich noch einen Geistesblitz. Jetzt ist er weg. Immerhin: Er ist schon mal zurückgekommen. 

Mit meinem Chaos gehe ich inzwischen allerdings gelassener um. Vielleicht liegt das an der stoischen Philosophie, die ich vor einigen Jahren für mich entdeckt habe. Seitdem beschäftige ich mich regelmäßig mit ihr. Sie erinnert mich daran, dass sich nicht alles kontrollieren lässt. Nicht einmal das eigene Chaos.

Es wundert mich daher nicht, dass sich mein Chaos in meinen Geschichten wiederfindet.

Denn nichts ist so, wie es scheint. Auch nicht in der wirklichen Welt.

Aber die Bücher muss ich ja noch schreiben.


P.S.: Geschafft. Ich habe tatsächlich etwas über mich geschrieben. Jetzt kann ich endlich wieder andere Leute beobachten.

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Leipziger Buchmesse 2027
20.–21. März 2027 | Leipzig
Als Besucherin unterwegs.